Bericht: Ein Ave Maria für den alten Kameraden

Wie gehen Organistinnen mit den Hinweisen „Nicht zu traurig“ oder „Der Verstorbene war gar nicht kirchlich“ um?

 

Pfarrer Walter Schlegel hat am ZKMV Kirchenmusiktag 2012 viel dazu beigetragen, den Fragen bezüglich der Musik in Abdankungsfeiern gerecht zu werden und den Antworten näher zu kommen. Aus seinem engagierten Vortrag habe ich für mich drei Punkte mitgenommen – aus seinem übersichtlichen Handout liesse sich natürlich noch Weiteres entnehmen.

a) Auch wenn wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind, ein Todesfall ist für nahe stehende Personen immer eine schwierige Situation. Rituale helfen hier; und die gute Abdankungsfeier trägt alle Kennzeichen eines Rituals. Öffentlichkeit und Bekundung der Solidarität z.B. sind Wesenszüge dieses Rituals. Mit Abschiedsfeiern im engsten Familienkreis werden diese zwei (leider je länger je häufiger) unterbunden.

b) Die Abdankungsfeier hat ihren Platz im Trauerprozess nach der ersten Schockphase. Zum Ritual des Abschieds gehört die Anamnese (hinschauen, was war) und die Perspektive (Ausblick). Wenn ein Musikwunsch der Trauerfamilie die Anamnese unterstützt, dann kann die Erfüllung des Wunsches sehr tröstlich sein.

c) Im Idealfall wird der Organist von der Trauerfamilie zum Begleiten des Rituals eingeladen: Der persönliche Bezug trägt entscheidend zum Gelingen des Rituals bei. Eine CD kann diesem Auftragbzw. dieser Einladung nicht gerecht werden. Deswegen ist es ratsam, höchstensein Musikstück ab CD zuzulassen.“

Pfarrerin und Organist gestalten gemeinsam ein Ritual, von dem die Teilnehmenden zuvor keine genaue Kenntnis haben. Das erfordert eine gute Zusammenarbeit und eine selbstbewusste Hand der Musikerin bei der Wahl der Musikstücke. Mit der Erfüllung aller Wünsche ist den Trauernden nicht am meisten gedient.

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