Bericht: Zur neuen Bach-Edition, Jean-Claude Zehnder

Betrachtet man die Vielfalt an Bach-Editionen, welche in den Fachgeschäften angeboten wird, tritt die Frage auf, ob eine neue Bachausgabe sinnvoll ist und welchen Mehrwert sie schaffen kann.

In seinem Referat unter dem Titel „Stich-Satz-Sieg“ erläuterte Jean-Claude Zehnder den Sinn und Zweck der neuen Breitkopf Bachausgabe. Zu Beginn zeigte Zehnder anhand prominenter Werke (BWV 564 und BWV 540) auf, dass unser heutiger Notentext nicht immer mit dem Quellenmaterial übereinstimmt. Die Erkenntnisse, welche in den letzten Jahren in der Bachforschung gemacht wurden, rechtfertigen eine neue Urtext-Ausgabe.

Seine Ausführungen illustrierte Zehnder mit Beispielen an der Orgel. Er zeigte damit, welche Auswirkungen zum Beispiel eine Überbindung auf die Interpretation einer Passage haben kann.

Bisher sind in der Breitkopf-Ausgabe vier Bände erschienen. Grossen Wert wurde dabei auch auf die Verständlichkeit des kritischen Berichts gelegt. Zu jedem Band gibt es eine CD-Rom, welche Incerta sowie Variant- und Frühfassungen einzelner Sätze enthält. Diese können zudem auch ausgedruckt werden. Dies hat für den Spieler den Vorteil, dass er schnell und zuverlässig unterschiedliche Quellen und Fassungen miteinander vergleichen kann.

Für das Fachpublikum wurde somit deutlich, dass es sich durchaus lohnt, bereits bekannte Bachwerke und deren Quellen wieder genauer zu betrachten und sich nicht ausschliesslich auf Konventionen zu verlassen.

Bericht: Ein Liechtblick in der Kinderliederlandschaft

Liechtblick – so heisst eine Sammlung mit geistlichen Liedern für Kinder, welche im Jahr 2007 herauskam. Heute ist eine Folgeband in Arbeit. Manuela Roth stellt uns die Arbeitsprozesse vor, wie das Liederheft entsteht: wie die Kommission die Kompositionsanfragen streut, wie sie die Einsendungen auswählt; Layoutfragen und vor allem auch Finanzierungsfragen beschäftigen die Kommissionsmitglieder.

 

Leider, denn auch wenn mit den kreativen Vorgängen viel Zeit verstreicht, bleibt die Arbeit wegen des fehlenden Geldes hängen. Dieses fehlt schlicht, um die Produktion starten zu können.

 

Das ist umso bedauerlicher, weil wir am Kirchenmusiktag vor allem auch Einblicke in die neuen Lieder des Liechtblicks II erhalten haben. Unter der bewährten Führung der Kantorin Manuela Roth singen rund 100 Kantorinnen und Organisten die druckreifen Kinderlieder, manche davon zweistimmig, alle aber mit Hitcharakter, sei es als druckvolles rhythmisches Lied oder als berührende Ballade. Die präsentierte Auswahl aus Liechtblick II lockt die Schreibende, mehr davon zu haben!
Kantorin Esther Lenherr, Wädenswil

Bericht: Kirchenmusiker – Music Star vs. Gefangenenchor

Zugegeben, der Titel des Referats, mit welchem sich Michel Müller auseinander setzen musste, war alles andere als einfach – eine bewusste Provokation mit Augenzwinkern?

Michel Müllers abschliessende Feststellung, wonach seinen Ausführungen die “Pointe” fehle, war wohl auch Ausdruck seiner Unsicherheit, wie mit einer solchen inhaltlichen Vorgabe umzugehen sei – und hinterliess bei den anwesenden Kirchenmusikern weitgehend Ratlosigkeit oder gar Ärger. Die Zuhörer vermissten vermutlich nicht so sehr eine besonders witzige Pointe, sondern eine klare Botschaft. Verstand er seine Aussagen als Aufforderung, den Wirkungskreis der Kirchenmusiker neu zu überdenken, das Zusammenspiel zwischen Pfarrschaft und Musikern zu hinterfragen oder zu verstärken, den Beitrag der Musik zum Gemeindeaufbau prominenter darzustellen – oder wollte er zwischen den Zeilen bereits auf mögliche Sparmassnahmen im Rahmen des Reformprojektes hinweisen? Was immer die Absicht gewesen sein mag – sie wurde nicht erkannt, und man war verstimmt.

Weder Music Star noch Gefangenenchor, war sein Mantra – eine Feststellung, die wohl jedem Kirchenmusiker ohnehin klar war; oder könnte es sein, dass Michel Müller in seinem Umfeld Cameron Carpenter Tendenz wahrgenommen hat? Wie sehr hätten sich die anwesenden Studenten und erfahrenen Musikerinnen und Musiker gefreut, quasi “ex cathedra” als ebenbürtige Partner der Pfarrschaft, als wichtige Brückenbauer zwischen Gemeinde und Liturgie oder Gemeinde und Institution, vor allem aber als äusserst fähige, ideenreiche und selbständig denkende Musiker wahrgenommen zu werden. Auch wenn Zwingli ausschliesslich dem Wort und der (heiligen) Schrift Relevanz beimass, wage ich die Behauptung, dass das Herz über Musik besser ansprechbar ist als über Worte. Eine Aufforderung an Michel Müller, diesem Aspekt sowohl im Rahmen des Reformprozesses als auch bei der Planung der ab 2017 anstehenden Reformations-feierlichkeiten die ihm gebührende Wertigkeit zuzusprechen!

Bericht: Cantars

Sandra Rupp Fischer stellt ihr grossangelegtes Projekt Cantars vor. Ursprünglich war Cantars 2011 als Jubiläumsanlass des Kirchenmusikverbandes des Bistums Basel geplant. Die Idee dahinter: Die Kirchenmusik den kirchenfernen Leuten näher bringen. Es gab 13 regionale Ausgaben des Kirchenklangfests.

Hier traten Kirchen-, Jugend- und Kinderchöre auf. 6 Spezialitätentage widmeten sich jeweils einem bestimmten Thema, z. B. kids, Orgel etc. – Die Struktur eines regionalen Kirchenklangfestes: Von 12.00 – 24.00 Uhr finden 12 Programmblöcke à 40 min. statt. Angestrebt wird eine grosse stilistische Vielfalt. Pro Anlass tritt auch ein Kinder- oder Jugendchor auf.

 

Cantars 2011 in Zahlen: Cantars 2011 übertraf alle Erwartungen. Es nahmen 7000 Erwachsene und 1000 Kinder/Jugendliche aktiv teil. Es wurde an 20 Tagen mit 242 Programmpunkten musiziert, 60‘000 Plätze waren besetzt! Das Festival gewann den ersten Good News Preis der katholischen Medien der Deutschschweiz.

Die Erfolgsgeschichte des Kirchenklangfestes geht weiter! Die nächste Ausgabe von Cantars findet vom 15.03. bis zum 07.06. 2015 statt. Cantars 2015 soll ein grosses Kirchenfest werden, das sich auch über die Konfessionsgrenzen hinwegsetzt und Generationen verbindet. Gemeinsam bringen wir das Land zum Klingen – mit Kirchenklang! Weitere Informationen unter: www.cantars.org

Bericht: Michael Pelzel im Gespräch

Eine der musikalischen Überraschungen am Kirchenmusiktag war das Intermezzo mit einem Werk des Komponisten und Organisten Michael Pelzel. Er spielte selber an der Orgel der Bruder-Klaus-Kirche aus seinen …études-bagatelles….

Ungewohnt und bei den Zuhörern ein Lächeln hervorzaubernd waren die Geräusche am Anfang des Stückes: Hat es schon begonnen, oder ist der Interpret immer noch am Einrichten? Erst nach einigen Minuten, nachdem klar wurde, dass eine rhythmische Ordnung hinter dem Knarren, Schlagen und Schaben steht und nach einigen „richtigen“ geblasenen Orgelklängen fand man sich genug in Sicherheit, die normalen Konzertohren zu öffnen.
Es ist genau diese Verunsicherung, die eines der Hauptmerkmale der neuen, avantgardistischen Musik ist. Speziell in der Kirche, wo man sich dienende, sich brav der Liturgie unterordnende Musik gewohnt ist, kann sie dadurch aufrütteln, öffnen, aber auch verstören und Ablehnung hervorrufen.

 

Im nachfolgenden Gespräch versuchten Michael Pelzel und Michael Eidenbenz das Potential und die Gefahren der neuen Musik näher zu umfassen.
Es sei zwar schwierig, aber doch möglich, technisch einfach auszuführende Stücke für Laien, zum Beispiel für einen Kirchenchor, zu komponieren. Die Sprache der neuen Musik habe sich aber weit weg bewegt von einem allgemein verständlichen Vokabular. So gelte es, von beiden Seiten her Berührungsängste zu überwinden: für die Zuhörer, die Verunsicherung auszuhalten und für die Musiker, Schritte aus dem Elfenbeinturm der Neuen-Musik-Szene zu wagen.